Übertaktungsproblem
Fragen zur Systemstabilität
Sagt die gemessene Temperatur der CPU etwas über deren Stabilität aus?
Grundsätzlich kann man diese Frage mit einem klaren NEIN beantworten. Nur weil eine Monitoring-Software wie z. B. Motherboard Monitor eine hohe CPU-Temperatur anzeigt, muss dies kein Instabilitätsgrund sein. Vor allem 32Bit-AMD-Architekturen geben oft Werte wieder, die nahezu beliebig nach oben oder unten korrigiert werden - und zwar vom BIOS des Mainboards. Also besteht grundsäzlich kein Grund zur Panik, wenn eure CPU 60°C unter Last erreicht, bei manchen Mainboards (z. B. dem EPoX 8K3A(+)) ist das durchaus normal. Diese Anzeige ist in den meisten Fällen einfach nicht zuverlässig und/oder realitätsbezogen genug, um sie ernstahft berücksichtigen zu können - übrigens auch bei Intel-CPUs mit interner Diodenmessung der Temperatur.
Kann die Systemtemperatur die Stabilität eines Systems merklich beeinflussen?
Ja, natürlich. Allerdings ist es nicht vernünftig, blind den ausgelesen Messwerten zu vertrauen. Wenn man nicht unbedingt ein LCD-Thermometer von z. B. SENFU oder ThermalTake kaufen möchte, um zuverlässige Werte auslesen zu können, hilft oftmals der Griff auf den Kühlkörper auf der CPU bzw. in den Innenraum des Gehäuses. Verbrennt man sich auf ersterem fast die Finger, oder kommt man bei zweiterem sofort ins Schwitzen, sollte man über eine bessere Kühlung/Belüftung nachdenken.
Wie überprüfe ich die Stabilität meines Systems?
Man liest immer wieder, dass es manchen Leuten als Test reicht, einfach einige Stunden problemlos ihr derzeitiges Lieblingsspiel zu spielen, um ihr System als stabil anzusehen. Das rächt sich spätestens dann, wenn durch einen unglücklichen Zufall ein x-beliebiges Anwendungsprogramm im ungünstigsten Augenblick einen schwerwiegenden Fehler verursacht, und die womöglich ungespeicherte Arbeit von Stunden dahin ist.
Glücklicherweise gibt es mathematisch zuverlässige Wege, um die Stabilität (zumindest bestimmter Komponenten) eines Systems beurteilen zu können.
All-In-One-Lösungen zum Test aller Komponenten möchte ich hier eher außen vor lassen, stattdessen werden wir unser Hauptaugenmerk auf hochspezialisierte, extrem zuverlässige Werkzeuge richten.
CPUs: PRIME95 ist hier der ungeschlagene Platzhirsch. Eine CPU, die 24 Stunden PRIME95 im Modus "Torture Test -> Small FFTs" übersteht, kann im Regelfall als "rockstable" bezeichnet werden, und sollte im Normalfall keine Probleme verursachen. PRIME95 kann auch zum Testen von RAM verwendet werden; hierfür eignet sich der "Torture Test -> Blend"-Modus. Für Intel-CPUs mit Hyperthreading reicht eine Instanz von PRIME95 als Stabilitätsindikator nicht aus. Für solche Systeme habe ich ein Paket geschnürt, welches, nach dem Entpacken, durch Starten der Datei "HTLOAD.bat", 2 Instanzen von PRIME95 startet. Hier wählt man einfach bei beiden "Torture Test -> Small FFTs", und stresst die HT-CPU (oder auch ein SMT-Systeme) ebenfalls 24 Stunden oder länger.
RAM: Memtest86 ist für den umfangreichen Test des Hauptspeichers unabdingbar. Einige Iterationen der "All Tests"-Suite gibt Sicherheit, dass der Hauptspeicher die gewählten Taktraten und Latenzen bei der eingestellten Spannung auch zuverlässig und fehlerfrei durchhält. Die Überprüfung durch Memtest86 ist übrigens eine der wenigen Methoden, mit der der gesamte Adressraum des Arbeitsspeichers auf Fehler überprüft werden kann.
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